Praxistest Canon RF 800mm F11 beim Fotografieren von Vögeln | Testbericht

Praxistest Canon RF 800mm F11 beim Fotografieren von Vögeln | Testbericht
05 Apr 2021

Bevor ich das neue 800mm Objektiv mit fester Blende F11 von Canon kennenlernte, war meine Meinung gegenüber langen Brennweiten klar: Diese Dinger sind groß, schwer und vor allem teuer. 400, 600 oder sogar 800mm, wie sie für die heimische Wildlife Fotografie Sinn machen, kosten neu mal schnell einen hohen vierstelligen oder sogar fünfstelligen Euro-Betrag. Zusätzlich sind diese Objektiv-Kolosse mit mehreren Kilogramm Gewicht alles andere als leicht. Das Fotografieren ohne Stativ, ist mit diesen Monstern vermutlich mit einem Hanteltraining gleich zu setzen. Ich bin Sport gegenüber nicht abgeneigt, aber mein Interesse ist trotzdem groß, als ich von dem neuen Canon RF 800mm höre.

Canon RF 800mm F11 Testbericht Objektiv

Canon RF 800mm auf dem Papier zu schön um wahr zu sein.

Die Daten des Canon RF 800mm lesen sich zu schön um wahr zu sein.

  • Die Größe mit transportfähigen 28 cm ist für die Brennweite geradezu winzig,
  • der Preis mit etwa 1000 Euro verhältnismäßig günstig
  • und mit einem Gewicht von ungefähr 1260 g noch Federleicht.

Dem gegenüber steht natürlich eine feste Blende mit einem doch relativ hohen Wert von F11 und die Frage nach der Bildqualität.

Canon RF 800 F11 Testbericht

Canon RF 800mm – 4 Wochen zum Testen

Da ich solch eine Brennweite schon immer mal testen wollte, freue ich mich sehr, dass ich das Canon 800mm F11 als Leihstellung von Canon Deutschland für 4 Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt bekomme. (Nach den 4 Wochen geht das Leihgerät wieder zurück zu Canon.) Ich kann es kaum erwarten damit auf Pirsch zu gehen und erhoffe mir, schöne kleine Vögelchen formatfüllend auf den Vollformat Sensor zu bannen.

Canon RF 800 F11 Testbericht

Mein erster Ausflug mit dem Canon RF 800mm

Wenige Minuten mit dem Fahrrad von meinem Zuhaue entfernt liegt ein großes Naturschutzgebiet, was unter Ornithologen durchaus bekannt ist. Ich fahre hier zwar fast täglich mit dem Fahrrad auf meinem Arbeitsweg vorbei, wirklich dort war ich aber nur ein einziges Mal. Mit der Leihausrüstung im Anschlag ziehe ich frohen Mutes los. Es ist ein Samstagmorgen um acht Uhr mit erfrischenden 2 Grad Celsius und strahlender Sonne.
Kaum angekommen sehe ich erste Vogeljäger in der Ferne. Ihre Ausrüstung ist gigantisch: Unglaublich große Objektive auf Kameras, die man nur mit Bärentatzen ähnlichen Händen vernünftig greifen kann und darunter beste Stative aus Carbon oder sogar Holz. Das Ganze, ebenso wie die dazugehörigen Fotografen, durch und durch in Camouflage getarnt. Ich komme mir sofort als Fremdkörper vor und streife wie ein Exot mit der Kamera am Handgelenk baumelnd durch das Naturschutzgebiet.

Canon RF 800mm F11 Testbericht Objektiv

Sind 800mm Brennweite ausreichend?

Ziemlich schnell merkte ich, dass 800mm gar nicht so viel ist, wie ich dachte. Die Vögelchen sind nicht nur ziemlich klein sondern auch extrem weit weg. Da aber auf meiner Liste der noch zu fotografierenden Vögel quasi kein einziger abgehackt ist, freue ich mich über alles was vor meiner Linse flattert. Die Haubentaucher sind noch recht entspannt. Nicht zu klein und vor allem nicht zu schnell. Über die Kohlmeise, die zwar wuselig umher hüpft aber auch irgendwann so sitzen bleibt das ich sie recht gut fotografieren kann, freue ich mich richtig. Ich höre zwar überall Vogelgezwitscher, zu Gesicht bekomme ich in der nächsten Zeit aber wenig.

Canon RF 800mm F11 Testbericht Objektiv

Das erste Gespräche über das Canon RF 800mm

Auf meinem ziellosen Streifzug bleibe ich wenige Meter vor dem Kollegen mit Riesen-Objektiv und Holzstativ stehen und schaue ebenso gespannt ins Gebüsch wie er. Ich erwische den Vogel, ein Winterkohlhähnchen, auch noch zweimal bevor es weiter zieht.
Der Holzstativ-Kollege plaudert mit mir kurz und erzählt mir, dass früher alles besser war. Kurz drauf berichtet wer er mir, was er für eine Kamera hat. Mit Blick auf mich lässt er mich nicht zuletzt an seiner Meinung teilhaben, dass er nicht wirklich weiß, wer von dem neuen Canon 800m F11 angesprochen werden soll.
Kaum 200 Meter bekomme ich im Vorbeigehen von zwei Kollegen – beide ähnlich ausgestattet wie der Holzstativ-Träger – zugerufen: „Das neue 800er, ja?“. „Jepp“ Antworte ich kurz und wir gehen weiter unserer Wege. So ganz unbekannt scheint das Objektiv also nicht zu sein.

Canon RF 800 F11 Testbericht Maise

Tipps von erfahrenen Fotografen annehmen

Ich bekomme in den zwei folgenden Stunden noch einen Kleiber, ein Rotkehlchen, ein Eichhähler und eine Kanadagans vor die Linse. Unzufrieden bin ich mit meiner Ausbeute nicht, zumal es ein wunderschöner Spaziergang durch die Natur ist. Schon wieder zurück auf dem Fahrrad und auf dem Heimweg überholt mich ein E-Bike-Fahrer und fragt, ob ich fotografieren war. Und was man so als Ausrüstung benötigt? Wir plaudern ein bisschen und ziemlich schnell kommt heraus, dass sich der E-Bike fahrende Rentner deutlich besser mit der Vogelfotografie auskennt als ich. Bei einem Blick auf seine Satteltasche und das darauf hervorschauende Stativ zeigt sich auch schnell, dass er ziemlich gut ausgerüstet ist.
Wir halten kurz an, weil der mit seine Bilder von einem Eisvogel zeigen möchte. Der Vogel ist einfach wunderschön – den hätte ich auch gerne mal vor der Linse. Ich bekomme einen Tipp, wo ich den Eisvogel finden kann. Dann plaudern wir noch ein bisschen über die Technik. Das 800er kennt dieser Hobby-Fotograf nicht, er ist aber sichtlich interessiert.

Canon RF 800mm F11 Testbericht Objektiv

Das Canon RF 800mm wartet auf den Eisvogel

Die Stelle an dem der Eisvogel zu beobachten sein soll ist nicht zu weit entfernt und zudem nicht so weitläufig wie das große Naturschutzgebiet. Ich beschließe also am nächsten Sonntag Morgen mein Glück zu versuchen und gehe um 8 Uhr morgens bei ca. 0°C und wieder strahlendem Sonnenschein auf die Pirsch. Außer ein paar Enten erblicke ich beim Umherschlendern erst einmal nicht wirklich viel. Am Ende des renaturalisierten Bachs fliegt ein Graureiher, der gemütlich nach seinem Frühstück Ausschau hält. Um den Reiher mit dem dem Canon RF 800mm zu fotografieren muss ich sogar ein paar Schritte zurück gehen.

Canon RF 800 F11 Test Vögel Fotografie

Kurz darauf sehe ich einen blau-orangenen Schatten den Bach entlang fliegen. Er landet unter einer Brücke. Ich lasse also den Graureiher schnell links liegen und gehe dem Schatten nach. Nachdem dieser noch zweimal seine Position verändert hat, sehe ich den Eisvogel auf einem Ast sitzen. Ich freue mich riesig und beginne sofort damit ihn zu fotografieren. Der Eisvogel erweist sich als kooperativ und bleibt eine ganze Weile still sitzen.

Canon RF 800 F11 Testbericht Eisvogel fotografieren

Nach ein paar duzend Bildern suche ich ihn wieder durch den Kamerasucher, kann ihn aber nicht mehr finden. Er ist weiter geflogen und ich habe nicht gesehen wohin. Sehr schade, aber ich freue mich, einen Eisvogel gesehen zu haben und ihn auch direkt fotografieren zu können.

Canon RF 800 F11 Testbericht Objektiv Eisvogel

Danach kann ich noch ein paar andere Vögelchen fotografieren. Gerade das Rotschwänzchen finde ich richtig schön. Sein Gefieder ist in viele unterschiedliche Grautöne getaucht. So ein schönes Rotschwänzchen ist mir noch nie aufgefallen.

Canon RF 800 F11 Testbericht Rotschänzchen

Das Canon RF 800mm – Preis-Leistung Top

Nach den zwei fotografischen Ausflügen kann ich sagen, dass ich mit meiner Ausbeute an Aufnahmen durchaus zufrieden bin. Das 800mm F11 Objektiv macht einen richtig guten Job. Die Bilder sind scharf und gerade bei Sonnenschein stört die feste Blende nicht. Wer in das Thema reinschnuppern möchte und gerne mal eine sehr lange und zugleich leichte und erschwingliche Brennweite ausprobieren möchte, ist mit dem Canon RF 800mm F11 bestens gerüstet.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesem Objektiv stimmt meiner Einschätzung nach auf jeden Fall. Wie der Vergleich zu einem Profigerät ist kann ich nicht sagen, da ich ein solches noch nie benutzt habe. Was ich sagen kann ist, dass ich mit dem 800mm F11 in meinem Test sehr zufrieden und auch positiv überrascht war. Wer sich solch ein Objektiv nicht direkt kaufen möchte, kann es ja auch einfach mal ein paar Wochen ausleihen.

Canon RF 800 F11 Testbericht Eichelhäher

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WEBundWELT Redaktion

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